Expertenmeinung | COVID-19 und die Auswirkungen auf den Handel und die Handelsimmobilien

Veröffentlicht: 26. März 2020

DI Ines Delic | 26.03.2020

COVID-19 drückt auf die Lungen der Weltwirtschaft

Die globalen Finanzmärkte haben dem Ausbruch von COVID-19 Anfang des Jahres relativ wenig Beachtung geschenkt. Erst mit dem Ausbruch in Europa und dem darauffolgenden Lockdown in Italien reagierte die Wirtschaft schlagartig. Was geschah? Alles was nicht überlebenswichtig war, musste schließen! Die Welt hielt den Atem an. Seit diesem Zeitpunkt sind die COVID-19 Auswirkungen quer durch alle Assetklassen so bewertet worden, dass eine Rezession der Weltwirtschaft fast nicht mehr wegzudenken ist. Es ist eine Zeit der Ungewissheit für Menschen sowie für Unternehmen. Keiner weiß, was der morgige Tag bringen wird, ob die Eindämmungsbemühungen das ersehnte Resultat bringen werden und wie die Gesellschaft auf jene Erfahrungen reagieren wird. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehen keine Studien oder eindeutigen Zahlen, welche die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie glaubwürdig erfassen und die nahe Zukunft darlegen könnten.

Was heißt das für die KonsumentInnen, den Handel und die Handelsimmobilien?

Europa reagiert, alte Grenzen werden neu aufgesetzt. Die Mobilität von Menschen und Waren ist weitgehend eingeschränkt. Shopping Center bleiben geschlossen, Einkaufsstraßen und Restaurants sind leer. Umsätze brechen verständlicherweise ein, denn die Menschen sind in ihrem Kaufverhalten beträchtlich eingeschränkt. Existenzängste haben Vorrang vor Luxusgütern. Ausschließlich Supermärkte, Apotheken und Drogerien sind in den Köpfen der KundInnen wichtig und nur jene dürfen gesetzlich auch offen bleiben. Die Aktienkurse der Unternehmen, die in Handelsimmobilien anlegen, fallen deutlich stärker als der durchschnittliche Index. Die Flucht aus dem Retail als Assetklasse war noch nie deutlicher.

Einzelhandel war schon in Schwierigkeiten, dann kam Corona

Die Expansion im Einzelhandel war bereits in der Vergangenheit und wird auch in Zukunft unweigerlich zurückgeschraubt werden. Es ist fraglich, ob nach diesem Stillstand neue Center wie geplant eröffnet werden können. Vor allem Projekte, die in der Bauphase noch nicht sehr weit fortgeschritten waren, könnten stark verzögert werden. Für expandierende Unternehmen (vor allem in CEE) stellt sich daher die Frage: Soll man in einem etablierten, aber eher „altmodischen“, Center eröffnen oder lieber warten, bis das neue, moderne Center eröffnet? Grundlegende Analysen werden von höchster Wichtigkeit sein in einem dermaßen veränderten Umfeld. Wann auch immer sich diese Situation normalisiert, in den Köpfen der KonsumentInnen wird sich einiges verändern. Mehr denn je zuvor sind wir auf die Technologie und das Internet angewiesen. Die Menschen werden sich nach wochen- oder monatelanger sozialer Distanz daran gewöhnt haben, noch mehr Einkäufe und Dienstleistungen als zuvor online zu tätigen. Vorteile dieser Wandlung werden gezogen und beibehalten. Insbesondere der Lebensmittelhandel, eine Branche, die unter den letzten war, die sich noch gut gegen den Onlinehandel „gewehrt“ hat, erlebt zurzeit einen Boom in diesem Bereich. Doch was bedeutet das für den Rest der Branche? Einfach gefasst, die Player, die vor COVID-19 sicher im Online-Meer navigiert haben, sind die Gewinner von morgen. Es war schon immer wichtig, schnell und agil zu sein, jetzt ist es jedoch unverkennbar.

Der Handel muss handeln!

Irgendwann wird das „normale“ Leben wieder zurückkehren und sich der Alltag zurückdrängen. Quarantänen werden aufgehoben und langsam wird sich auch das Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit wieder einfinden. Für den Handel und die Handelsimmobilien wird es die Herausforderung sein, diese Emotionen widerzuspiegeln, Orte für sichere soziale Interaktion zur Verfügung zu stellen und so nah wie möglich an den KundInnen zu sein.
Die Verbindung mit Online wird unentbehrlich sein, neue logistische Anforderungen stehen jedem Unternehmen bevor. Die ohnehin fragile stationäre Fläche geht wahrscheinlich noch deutlicher zurück, aber nicht komplett verloren. Es sind die Form und Funktion der Fläche, die sich verändern. Die jetzige Krise ist „lediglich“ eine Intensivierung der Geschwindigkeit von ohnehin unaufhaltsamen Veränderungen. Der Handel muss sich den KundInnenbedürfnissen von morgen anpassen, und er muss sich schnell anpassen, denn der Kontakt mit den KundInnen soll nicht nur in Krisenzeiten, sondern immer und überall, stattfinden.


Was bedeuten diese Entwicklungen für Ihre Immobilie oder Unternehmen? Bei Fragen zu Einschätzungen und Planung rund um Ihre Immobilie, Investment oder Filialnetz stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße,

DI Ines Delic

Head of Account Management, RegioPlan Consulting GmbH

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite benutzerfreundlicher zu gestalten. Wenn Sie diese Webseite nutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies